Samstag, 26. September 2009

Heute morgen habe ich mich direkt nach dem Wachwerden an ein Bild erinnert, dass ich vorgestern im Fernsehen sah. Meine Patentante, die mich nach langer Zeit überraschend besucht hatte, erzählte mir, dass sie gerne Dokumentationen auf N24 sieht. Ich schaue wenig Fernsehen, daher wollte ich mir selbst ein Bild machen und suchte mir abends den richtigen Kanal. Ich landete in einer Dokumentation über die Ölförderung in Alaska, genau in dem Moment, als sie einen riesigen Kernbohrer auf die Haut der Erde setzten. Rundum gigantische Maschinen , Bagger, viel Technik, um mit der eisigen Kälte "den Kampf aufzunehmen", wie es hieß. Die Menschen waren völlig vermummt für ihren "Einsatz".
Ich schaltete sofort den Fernseher aus. Ich konnte das nicht mit anschauen. Wieder hatte ich das Gefühl, das mich manchmal seit meiner Kindheit begleitet, dass ich nicht fühle wie andere. Wieso kommen bei solchen Bildern den meisten anderen Menschen keine Tränen?
Ich weiß, dass für die Wissenschaftler, Ingenieure, Geldgeber, Arbeiter, die an dem Projekt dort arbeiten, die Erde nur ein Haufen Materie ist, aus dem Mann sich ohne zu fragen und ohne Dankbarkeit bedienen kann. Menschen, die anders empfinden, gelten als rückständig.
Mein Freund, der Quechua-Indianer Coco bekam in einer Zeremonie für die Erde mal Tränen in die Augen, weil er spürte, wie es ihr geht. Es war ergreifend, diesen starken, ansonsten fröhlichen Mann, weinen zu sehen.
Für die Profis unserer modernen Welt gehört er zu einer unterentwickelten Menschenrasse, die den Weg zum modernen Menschen noch nicht ganz geschafft hat - dass wir uns vielleicht auf wichtigen Gebieten zurück entwickelt haben könnten, auf diesen Gedanken kommen sie nicht.
Wir brauchen wieder mehr Herz im Wirtschaftsleben.

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